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Metaverse und NFTs – die digitale Welt im Web 3.0

Metaverse und NFTs – die digitale Welt im Web 3.0

Wenn der Tech-Gigant Facebook sein Rebranding auf ein neues Konzept fokussiert und seinen allseits bekannten Namen in „Meta“ ändert, sorgt dies weltweit für große Aufmerksamkeit. Facebook ist damit jedoch nicht allein – Microsoft & Co ebnen einen neuen digitalen Weg, dem sich unzählige Projektentwickler aus der Web 3.0-Szene zunehmend anschließen. 

D>er Begriff Metaverse ist sehr weit gefasst. Im Allgemeinen kann man das Metaverse als einen Online-Raum beschreiben, der es Menschen ermöglichen soll, auf eine immersivere Art und Weise zu interagieren, als dies etwa auf einer gewöhnlichen Webseite der Fall ist. Zwar ist das Metaverse mehr als eine virtuelle Realität, jedoch kann diese zur leichteren Veranschaulichung herangezogen werden. In dieser Welt können verschiedenste Aktivitäten vorgenommen werden, wie beispielsweise die Interaktion mit Menschen sowie Objekten – es ist beinahe so, als würde man ein Spiel des Lebens spielen. Man kann auch innerhalb des Metaversums Dinge besitzen und erwerben, wie beispielsweise digitale Grundstücke oder Gebäude. Für das Grundverständnis und die Analyse des Metaverse bedarf es jedoch auch des Heranziehens großer technologischer Entwicklungen rund um das Web 3.0. 

Das Web 3.0 ist die Grundlage für das Metaverse und die dritte Generation des Internets. Das Internet hat sich in den letzten Jahren aus Sicht der alltäglichen Erfahrung eines durchschnittlichen Nutzers kurz zusammengefasst wie folgt entwickelt: Das Web 1.0. war das ursprüngliche Internet mit statischen HTML-Websites, bei denen die Nutzer keine Daten mit den Webseiten austauschen konnten. Aktuell im Web 2.0 sind Daten und Informationen meist punktuell oder zentralisiert in den einzelnen Anwendungen des Internets gespeichert, sodass eine übergreifende Verwendung der Informationen nicht möglich ist. Beim Web 3.0 geht es genau darum – es sollen Daten dezentral miteinander verbunden werden, sodass Anwendungen im Internet Informationen auf intelligente Weise durch neue Technologien verarbeiten können – ähnlich einer Art künstlicher Intelligenz. Ziel ist, eine bessere Benutzererfahrung zu generieren. 

Die weltweite Pandemie hat eine wichtige Rolle dabei gespielt, eine gefühlsauthentische Online-Interaktion zwischen Menschen ohne Notwendigkeit ihrer physischen Anwesenheit zu ermöglichen. Dies gab den Startschuss für die Umsetzung des Metaverse im zukünftigen Web 3.0, welches digitale Alternativen sowie neue außergewöhnliche Erfahrungen in diesen außergewöhnlichen Zeiten bieten können soll. Konkret soll auf Grundlage des Web 3.0 ein digitales Paralleluniversum geschaffen werden, wobei der Einsatz der Blockchain-Technologie der Ergänzung dieses Systems dient. Dadurch soll eine Digitalisierung auf einer dezentralen Ebene erfolgen können, in der die Nutzer arbeiten, spielen, entspannen oder sonst mit der Welt interagieren können. Bekannte Videospiele wie „Fortnite“ oder „Roblox“ werden oft als Beispiele angeführt. Sie haben ihre eigene Spiel-Währung, mit der die Nutzer diverse Gegenstände, wie z.B. Ausrüstung und Kleidung, erwerben können. Eine Verwendung der Gegenstände und Interaktion zwischen den Nutzern ist lediglich im entsprechenden Spiel möglich. 

Im Unterschied zum aktuellen Stand sollen die im jeweiligen Spiel erworbenen Gegenstände im Metaverse in Form eines NFTs (Non-fungible Token) tatsächlich im Eigentum des Nutzers stehen und auch spielübergreifend genutzt werden können. In Verbindung mit dem Gaming-Element ist „Play to Earn“ im Metaverse ebenso ein verlockender Faktor. Dabei können durch Gaming oder sonstige Aktivitäten Vergütungen mit echtem Wert – beispielsweise in Form von Coins oder Tokens – erspielt werden. Auch der Kauf von digitalen Grundstücken auf Metaverse-Plattformen hat in den letzten Monaten Schlagzeilen gemacht. 

Der Kaufpreis der Grundstücke variiert je nach Größe und Lage in der virtuellen Welt und kann mehrere 100.000 Euro betragen. Die digitalen Grundstücke sind NFTs, die der jeweilige Käufer als Tokens auf seiner Wallet verwahrt. Dies gilt ebenso für Werbeflächen im Metaverse und sonstige digitale Gegenstände wie z.B. Kleidungsstücke oder Accessoires. Adidas und Nike haben zum Beispiel bereits NFT-Kollektionen präsentiert und zum Teil Grundstücke im virtuellen Raum zur Etablierung digitaler Stores akquiriert. Man sollte bei derartigen NFT-Projekten jedoch die regulatorischen Bestimmungen für die Ausgabe der Tokens und den Betrieb dahinter stehender Handelsplattformen nicht aus dem Auge verlieren. Dafür kann je nach Ausgestaltung des ausgegebenen Tokens ein Prospekt, eine Registrierung bei der Finanzmarktaufsicht oder sogar eine Konzession nach dem Wertpapieraufsichts- oder Bankwesengesetz erforderlich sein. 

Als Beispiel für bereits existierende Metaverse-Plattformen seien an dieser Stelle „Decentraland“, „Sandbox“ und „Bloktopia“ genannt. Die meisten Plattformen sind als DAO (Decentralized Autonomous Organization), also als digitaler Zusammenschluss mehrerer Teilnehmer – basierend auf der Blockchain – konzipiert. Dabei werden den Nutzern bei Erwerb der Tokens (z.B. MANA, SAND oder BLOK) insbesondere Stimmrechte eingeräumt, wodurch sie an wesentlichen Entscheidungen der Plattform teilnehmen können. Abstimmungen und daraus resultierende Änderungen in der DAO werden in Smart Contracts virtualisiert und umgesetzt. Mangels spezieller gesetzlicher Regelungen für die DAO kann grundsätzlich eine große Verantwortung und Haftung ihrer Nutzer, zumindest aus Sicht des österreichischen Rechts, nicht ausgeschlossen werden. Es bedarf daher insbesondere betreffend allfällige Haftungsausschlüsse einer konkreten vertraglichen Regelung der Verhältnisse der DAO bzw. ihrer Teilnehmer zu anderen Marktteilnehmern. 

Fazit: Das Metaverse bietet ganz klar neue Chancen für Unternehmen, die sich zukünftig auch im digitalen Raum verwirklichen wollen. Es ist jedoch zu empfehlen, dass vor Umsetzung eines innovativen Metaverse-Geschäftsmodells eine umfassende Prüfung allfällig anwendbarer konzessionsrechtlicher und regulatorischer Bestimmungen erfolgt. Auch an das jeweilige Projekt angepasste Vertragsgrundlagen sind wesentlich, um in der entsprechenden Ausführung Rechtssicherheit zu schaffen. 


AUTOR:

Mag. Ronald Frankl, Rechtsanwalt und Managing Partner bei LGP

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