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Green Energy in China: Fakten und Trends

Green Energy in China: Fakten und Trends

Seit einigen Jahren unternimmt die chinesische Regierung systematische Anstrengungen in Richtung größere Nachhaltigkeit. Der seit 2021 in Kraft befindliche 14. Fünf-Jahres-Plan bekräftigt das Ziel der CO2-Neutralität bis 2060 und konkretisiert die Vorgaben des chinesischen Staatsrates an die Wirtschaft. Bisher ist Chinas Energiematrix noch von fossilen Brennstoffen, vor allem Kohle, dominiert. 

Bereits 2014, wohl auch unter dem Druck einer wachsenden und politisch einflussreichen Mittelschicht, die saubere Luft und bessere Umweltstandards fordert, prägte Präsident XI Jinping den Ausdruck „neue Normalität“ – xín cháng tài 新常态. Chinas Wachstumsraten würden demnach in Zukunft „nur mehr“ zwischen 6,5 und 7 % liegen. Zudem solle die chinesische Wirtschaft umgestaltet werden und höherwertiger produzieren, mit besonderem Augenmerk auf Hochtechnologie in einer definierten Liste von Sektoren. Auch der Dienstleistungsanteil der Wirtschaft solle deutlich steigen und heimischer Konsum als Wachstumsmotor bedeutsamer werden als Exporte. Diese grundsätzliche Richtungsänderung bedeutet aber auch, dass Produktivitätssteigerungen unerlässlich sind. Denn Chinas Wirtschaft war und ist im Vergleich zu anderen Volkswirtschaften wesentlich energieintensiver, verbessert sich jedoch kontinuierlich. 

Die „neue Normalität“ macht deshalb einen Umbau des chinesischen Energiesystems und eine Steigerung der Effizienz in der Nutzung von Energien und Rohstoffen im Allgemeinen erforderlich. Aufbauend auf dem 12. Fünf-Jahres-Plan (2011-2015) gab schon der 13. Fünf-Jahres-Plan (2016-2020) deutliche Anweisungen dafür. 

Führende Rolle beim Klimaschutz 

In seiner Erklärung vor der UN-GV hat Präsident Xi Jinping am 22.9.2020 zudem angekündigt, dass China 2060 klimaneutral sein wolle. Der Präsident forderte in diesem Zusammenhang eine Energie-Revolution, die Bekämpfung der Umweltverschmutzung und den Übergang hin zu einer dienstleistungsorientierten Wirtschaft. 

In der Energiepolitik liegt der Fokus vor allem auf Elektrizität, Erdgas und saubereren, hocheffizienten und digitalisierten Technologien. Chinas wachsende Energienachfrage wird zunehmend mittels erneuerbaren Energien befriedigt, was – aufgrund der immensen Größe des chinesischen Marktes – signifikanten Einfluss auf die globale Entwicklung der erneuerbaren Energien hat. 

Hier sind einige wichtige Fakten aus dem „Global Status Report on Renewables“ des internationalen Politik-Netzwerkes REN21: 

  • Aufgrund der chinesischen Vorgangsweise waren die globalen Investitionen (28 % kamen aus China) in erneuerbare Energien 2020 zum ersten Mal größer als die Investitionen in Öl und Gas. 
  • Im Bereich der großen chinesischen Außenstrategie „Belt and Road“ entfielen 2020 mehr als die Hälfte der chinesischen Investitionen auf Solarenergie, Wind und Wasserkraft. Gleichzeitig basieren 72 % aller Kohlekraftwerke, die außerhalb Chinas gebaut werden, auf chinesischen Finanzierungen (50 Mrd. USD für geplante 53 GW installierte Kohlekraft). 
  • China hat sich das ambitionierte Ziel gesetzt, bis 2060 CO2-neutral zu sein. Es hat allerdings keine spezifische Quote für den Anteil der Erneuerbaren am Gesamt-Energie-Portfolio festgelegt – und ist damit in guter Gesellschaft der meisten anderen G20-Länder. Derzeit liegt der Anteil der erneuerbaren Energien in China bei 10 % des Gesamt-Energieverbrauchs. 

Rolle chinesischer Städte 

Global gesehen stammen 75 Prozent der energiebezogenen Treibhausgasemissionen von Städten, in denen mittlerweile 55 % der Weltbevölkerung leben. Städte sind für etwa Dreiviertel des globalen Energie-End-Verbrauchs verantwortlich. Allein China hat mehr als 100 Städte mit über 1 Million Einwohner und die Urbanisierungsrate liegt derzeit bei über 60 % Prozent. Wie sich die chinesischen Städte künftig positionieren, ist daher von besonderer Relevanz.

Chinesische Städte agieren innerhalb der national vorgegebenen Regelwerke und Zielsetzungen (Stichwort: Fünf-Jahres-Plan): 

  • International anerkannt ist die chinesische Führerschaft bei der Elektrifizierung des Öffentlichen Verkehrs (in allen Modalitäten), insbesondere auch bei elektrischen Fahrzeugen. So kommen etwa 98 % der E-Autobusse, die es weltweit gibt, im öffentlichen Verkehr in China zum Einsatz. Am meisten Elektro-Autos wurden 2019 in großen Städten in China verkauft (Shenzhen: rund 81.000; Beijing rund 81.000, Guangzhou rund 72.000). 
  • China ist der zweitgrößte Produzent von Fernwärme. Derzeit wird die meiste Fernwärme zwar noch aus fossilen Quellen erzeugt – die Städte beginnen jedoch Solarthermie und Geothermie verstärkt zu nutzen. 
  • „low emission zones“ gibt es in Beijing, Shanghai, Hong Kong und Suzhou. 
  • Das internationale Politik-Netzwerk REN21zählt aktuell 25 Städte (mit einer Gesamtbevölkerung von rund 320 Mio. Menschen) mit quantitativen Zielen für erneuerbare Energien. 
  • Erwähnenswert ist auch die Finanzierung mit „Green Bonds“ auf lokaler Ebene im Ausmaß von 17,5 Milliarden USD, die zum Teil auch in erneuerbare Projekte (zum Beispiel Wind oder Green Hydrogen in Zhangjiakou und Datang) flossen. 
  • Bio-Treibstoffe und grüner Wasserstoff nehmen ebenfalls Fahrt auf – etwa in Hong Kong, Shanghai, Zhangjiakou (wo die Winterspiele 2022 ausgetragen werden sollen), Guangzhou und Kunshan. 
  • Public-Private Funds, wie der Shandong Green Development Fund (1,5 Mrd. USD), tragen zur Überwindung der Klima-Finanzierungs-Schwächen in China bei.
  • „Shenzhen International Low Carbon City“ ist ein groß angelegtes Demonstrationsprojekt für eine nachhaltige und klimaneutrale Urbanisierung. 

AUTORIN:

MMag. Dr. Irene Giner-Reichl, Botschafterin a.D., Senior Expert Counsel bei LANSKY, GANZGER + partner

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