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Green Energy gewinnt an Bedeutung

in Aserbaidschan

Green Energy gewinnt an Bedeutung

Als großer Öl- und Gasproduzent wird Aserbaidschan hauptsächlich mit Erdöl- und Erdgasreserven im Kaspischen Meer in Verbindung gebracht. Das Land weist aber auch großes Potenzial im Bereich erneuerbarer Energien auf.

Das Potenzial erneuerbarer Energieträger wird aktuell auf 27.000 MW geschätzt. Davon entfallen 3.000 MW auf Windenergie, 23.000 MW auf Solarenergie, 380 MW auf Bioenergie und 520 MW auf Gebirgsflüsse. Diese optimistischen Schätzungen kommen auch in einem jüngsten Bericht der Internationalen Agentur für Erneuerbare Energien zum Ausdruck. Im Jahr 2020 betrug die Gesamtenergieerzeugung Aserbaidschans 25 TWh, der Anteil des aus erneuerbaren Energiequellen erzeugten Stroms lag dabei bei 6 %. Das langfristige Ziel ist es, diesen Anteil auf 30 % zu erhöhen, was auch die diesbezüglichen Entwicklungen der letzten Monate eindrucksvoll untermauern. 

Erste Pilotprojekte mit ausländischen Investoren 

Im Jahr 2020 ging Aserbaidschan nach einem mehrstufigen Auswahlverfahren strategische Kooperationen mit den Unternehmen ACWA Power (Saudi-Arabien) und Masdar (Vereinigte Arabische Emirate) ein. ACWA Power wird eine 240-MW-Windkraftanlage in der windreichsten Region des Landes, Khizi, errichten. Masdar wird eine 230-MW-Solarkraftanlage neben der Siedlung Alat (entlang des Kaspischen Meeres) bauen. Die ersten Verträge (Investitions-, Energielieferungs- und Netzanschlussverträge) wurden bereits unterzeichnet, vorgesehen ist dabei das sog. „Build, Own & Operate“-Betreibermodell. Die beiden Großprojekte sehen eine Investitionssumme von insgesamt 400 Millionen USD vor und sollen als künftig größte Anlagen Aserbaidschans 5 % des aktuellen Energiebedarfs des Landes abdecken. Parallel dazu laufen aktuelle Gespräche mit weiteren Unternehmen und Investoren: Denn man weiß, dass die substanzielle Erhöhung des Anteils erneuerbarer Energieträger am Bruttoendenergieverbrauch weiterer privater (Auslands-)Investitionen bedarf. 

Ausbau der internationalen Zusammenarbeit 

Gemeinsam mit der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung soll das Projekt „Erneuerbare Energieauktionen in Aserbaidschan“ umgesetzt werden. Dabei mussten u.a. Auktionsregeln, Bedingungen und Vertragsformen ausgearbeitet sowie geeignete Investitionsstandorte identifiziert werden. Geplant ist, dass Aserbaidschan über Versteigerungen den Bau von Wind- und Solarparks mit einer Gesamtkapazität von etwa 1.000 MW organisiert. Parallel läuft eine Kooperation mit der International Financial Corporation als Teil der Weltbankgruppe im Zusammenhang mit der Erstellung einer Roadmap für die Entwicklung von Offshore-Windanlagen im Kaspischen Meer. Zudem realisiert das Energieministerium auch ein Pilotprojekt mit der Asiatischen Entwicklungsbank, in dessen Rahmen die Installation einer 100-kW-Photovoltaikanlage auf dem Boyukshor See und die Entwicklung von Geschäftsmodellen für die Privatwirtschaft hinsichtlich der Installation von Sonnenkollektoren erfolgt. 

Green Energy-Zone in der Region Karabach 

In den letzten Monaten wurde das Potenzial erneuerbarer Energiequellen in Karabach und den umliegenden Regionen intensiv analysiert. Hinsichtlich Solarenergie wurden acht Gebiete ermittelt, deren Gesamtpotenzial für den Bau von Solarkraftwerken auf mehr als 4.000 MW geschätzt wird. Hinsichtlich Windenergie wird von einem Windenergiepotenzial von anfangs 500 MW ausgegangen: Im gebirgigen Teil der Regionen Latschin und Kälbädschär gibt es weitflächige Gebiete mit einer durchschnittlichen jährlichen Windgeschwindigkeit von 7-8 m/s in 100 m Höhe. Schließlich stammen 25 % der lokalen Wasserressourcen Aserbaidschans aus Karabach. Es wurden bereits bestimmte Vorbereitungen für den Beginn von Reparatur- und Sanierungsarbeiten an einigen kleinen Wasserkraftwerken getroffen. Das 8-MW-Kraftwerk Gulabird am Fluss Hakari in Latschin ist ebenfalls vor kurzem in Betrieb gegangen. 

Am 3. Juni 2021 wurde zwischen dem Energieministerium und British Petroleum (BP) eine Kooperationsvereinbarung über die Evaluierung und Umsetzung des Projekts betreffend den Bau einer 240 MW-Solarkraftanlage in Zangilan/Jabrayil abgeschlossen. Die Vereinbarung legt damit den Grundstein für die Schaffung einer Green Energy-Zone und soll ausländischen Investitionen den Weg nach Karabach ebnen. 

Verbesserung der rechtlichen Rahmenbedingungen 

In den vergangenen Monaten wurden auch zahlreiche Rechtsakte erlassen, die die institutionellen und rechtlichen Rahmenbedingungen verbessern sollen. Das oberste Ziel ist es, die Nutzung erneuerbarer Energiequellen zu fördern und private Investitionen in diesem Sektor zu forcieren. Erwähnenswert sind auch die Präsidentenerlässe „Über die Beschleunigung der Reformen im Energiesektor“ vom Mai 2019 und „Über die Maßnahmen zur Durchführung von Pilotprojekten im Bereich der Nutzung erneuerbarer Energieträger” vom Dezember 2019. Auch wurde per Präsidentendekret vom September 2020 die Agentur für Erneuerbare Energien gegründet, die dem Energieministerium unterstellt ist und für die Umsetzung der Staatspolitik im Bereich erneuerbarer Energien zuständig ist. Besondere Aufmerksamkeit verdient das im Mai 2021 verabschiedete Gesetz „Über die Nutzung erneuerbarer Energiequellen in der Energieerzeugung“. Weitere Gesetzesentwürfe sind aktuell in Begutachtung. 

Schließlich ist die per Präsidentenerlass vom Februar 2021 verabschiedete Strategie „Aserbaidschan 2030: Nationale Prioritäten für sozioökonomische Entwicklung“ hervorzuheben. Diese sieht in Abschnitt 5 den Ausbau erneuerbarer Energieträger und Berücksichtigung von „Green-Energy“-Grundsätzen in allen relevanten Wirtschaftsbereichen vor. Die Förderung erneuerbarer Energien wird dem Staat sicherlich dabei helfen, seinen Verpflichtungen zur Reduzierung der Treibhausgase im Rahmen des Pariser Klimaschutzübereinkommens 2015 nachzukommen. 

LGP steht Ihnen gerne mit umfassender Expertise zum Markt Aserbaidschan und zahlreichen Ideen für Investitionsmöglichkeiten und Kooperationen zur Verfügung.


AUTOR:

Mag. Orkhan Ismayilov, Legal Consultant bei LANSKY, GANZGER + partner

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