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Vom Minister zum internationalen Anwalt

Vom Minister zum internationalen Anwalt

Arlind Zeqiri, Managing Partner bei LGP Skopje, blickt im Interview mit LGP News auf die wichtigsten Stationen seiner erfolgreichen Karriere zurück. Diese führte ihn von seiner Heimat Nordmazedonien über Österreich und die Schweiz und machte ihn zu einem der jüngsten Minister in der Geschichte des Balkanstaates. 

Herr Zeqiri, bevor Sie sich mit der internationalen Wirtschaftskanzlei Lansky, Ganzger + Partner zusammengetan haben, waren Sie in der nordmazedonischen Wirtschaftsdiplomatie und Politik fest verankert. Können Sie uns Ihre wichtigsten beruflichen Karriereschritte kurz skizzieren? Was hat Sie auf diesem Weg am meisten motiviert? 

Arlind Zeqiri: Bevor ich zu LGP kam, habe ich mich sowohl im privaten als auch im öffentlichen Sektor hauptsächlich mit grenzüberschreitenden Geschäften und Investitionen beschäftigt. So gesehen, war dies eine sehr gute Vorbereitung auf meine jetzige Tätigkeit als Wirtschaftsanwalt und Berater zwischen dem Balkan und den EU-Märkten. Zuvor arbeitete ich für die Nordwest-Handelskammer Nordmazedoniens, leitete danach die Agentur zur Förderung ausländischer Investitionen der Republik Nordmazedonien am Standort Bern und wurde dann später Minister für Auslandsinvestitionen in meinem Heimatland. 

Auf die Frage, was mich auf meinem bisherigen Weg angetrieben hat, würde ich sagen, dass mich sicherlich die Zeit, in der ich aufgewachsen bin, sehr stark geprägt hat. Ich wurde Anfang der 1980er Jahre in Tetovo in Nordmazedonien geboren, als das ehemalige Jugoslawien aufgrund einer tiefen Wirtschaftskrise einen systemischen Übergang zur Marktwirtschaft durchlief. Schlecht geplante und durchgeführte Privatisierungen, Kapitalkontrollen und die Währungsabwertung ließen allerdings dem Land und den verarmten Menschen nur sehr wenig übrig. Ich glaube, dies hat meine Generation dazu veranlasst, besonders hart für ihren Erfolg zu arbeiten. 

Eine zweite prägende Phase war meine überaus lehrreiche Zeit in Wien, wo ich als junger Mann auch Gabriel Lansky zum ersten Mal traf. Auf der Suche nach neuen Herausforderungen entschied ich mich damals, dem Rat von in Wien lebenden Freunden zu folgen, um hier mein Masterstudium Diplomatie und Strategische Studien fortzusetzen. In dieser pulsierenden Metropole habe ich auch unterschiedliche kulturelle Perspektiven, Akzeptanz und viel sozialen Zusammenhalt kennengelernt – Werte, die mich als Mensch bis heute geprägt haben. Deshalb wird Wien immer einen besonderen Platz in meinem Herzen haben. 

War Ihr erster Job bei der Nordwest-Handelskammer der Republik Nordmazedonien für Ihre weitere Laufbahn weichenstellend? Wie sind Sie zu dieser Position gekommen? 

Zeqiri: Nach Abschluss meines Studiums in Wien kehrte ich als Lehrassistent an die Universität von Tetovo nach Nordmazedonien zurück. Parallel dazu begann ich in der Abteilung für internationale Beziehungen der Nordwest-Handelskammer zu arbeiten. Nach einer Weile wurde ich vom damaligen stellvertretenden Premierminister für EU-Angelegenheiten gebeten, einen Wirtschaftsentwicklungsplan für die Stadt Tetovo zu entwickeln, den dieser bei den nächsten Wahlen als Bürgermeisterkandidat benötigte. Ich nahm diese Herausforderung an und wurde schließlich Teil des erfolgreichen Wahlkampfteams. Danach wurde ich zum Geschäftsführer des Zentrums für Entwicklung der Region Polog bestellt. 

Was beinhaltete Ihre Tätigkeit bei „Invest in Macedonia“ in der Schweiz, welche als Investitionsförderungsagentur für Ihr Heimatland Nordmazedonien diente? 

Zeqiri: „Invest in Macedonia“ war eingebettet in die offizielle diplomatische Vertretung, wodurch ich den Status des Ersten Sekretärs an der Botschaft in Bern erhielt. Mein Aufgabengebiet umfasste das gesamte Spektrum der Wirtschaftsdiplomatie einschließlich regelmäßiger Kontakte mit allen relevanten schweizerischen und nordmazedonischen Unternehmen. Dazu gehörten auch Bereiche wie Marktforschung, Identifizierung von investorenrelevanten Wirtschaftssektoren, Aufbau regelmäßiger Kommunikation mit Wirtschaftsgremien, Handelskammern und anderen Wirtschaftsverbänden des Landes sowie die Unterstützung der zuständigen Institutionen in der Republik Nordmazedonien und die Organisation offizieller Besuche. 

Zu Ihrer Position als Minister für ausländische Direktinvestitionen: Könnten Sie uns kurz beschreiben, wie Sie
und Ihr Kabinett es geschafft haben, ausländische Investoren nach Nordmazedonien zu locken? 

Zeqiri: Was wir getan haben, war recht unkompliziert: Wir haben das bestmögliche Umfeld für Investoren in Nordmazedonien geschaffen und eine zentrale Anlaufstelle innerhalb der Regierungsstrukturen eingerichtet. Dorthin konnten sich interessierte Investoren mit allen Fragen und Problemen wenden und auch notwendige Genehmigungen und Kontakte für ihre Geschäftsideen erhalten. Darüber hinaus arbeiteten wir hart – und ehrlich gesagt recht erfolgreich – daran, die Platzierung Nordmazedoniens im „Ease of Doing Business“-Index der Weltbank stetig zu verbessern. Immerhin gibt dieser Index recht genau wieder, wie gut oder schlecht das Umfeld der Investoren hinsichtlich der rechtlichen Rahmenbedingungen und anderer wichtiger Aspekte ist. Und er sorgt natürlich auch für gute PR. 

Wie kam es nach dem Ende Ihrer ministeriellen Amtszeit dazu, die Skopje-Niederlassung einer der renommiertesten Wirtschaftskanzleien Mitteleuropas als internationaler Rechtsanwalt und Unternehmensberater zu leiten? Wie können Sie Ihre beruflichen Erfahrungen, die Sie in Ihren früheren Positionen gewonnen haben, für Ihre Kunden bei LGP umsetzen? 

Zeqiri: Meine Zeit in Wien hat mich stark beeinflusst und ich hatte das Glück, Gabriel Lansky dort kennenzulernen. Als ich nach dem Ende meines Ministeramtes auf der Suche nach neuen Herausforderungen war, gab es einige offensichtliche Synergien mit LGP – wie z.B. die Fokussierung der Kanzlei auf die Region Südosteuropa und internationale Geschäftskunden sowie ihr Ruf, an der Schnittstelle von Recht, Wirtschaft und Politik zu arbeiten. Und ich schätze es auch ungemein, dass eine LGP Beratung immer pragmatisch und zielorientiert erfolgt. Einfach die Arbeit zu erledigen anstatt ausgefeilte juristische Analysen zu erstellen, ist ein Ansatz, der in vielen Anwaltskanzleien fehlt. 

Das LGP Büro in Skopje bietet europäischen Unternehmen einen neuen Brückenkopf auf dem Balkan und Firmen aus dem Balkan neue Geschäftsmöglichkeiten in Österreich und Mitteleuropa. Unsere EU-Kunden profitieren von meinem großen Netzwerk und Know-how der lokalen Politik- und Wirtschaftslandschaft ebenso wie unsere Balkan-Kunden von den guten Kontakten und Erfahrungen unserer Partner bei LGP Wien. Man darf nicht vergessen, dass die DACH-Länder – Deutschland, Österreich und die Schweiz – nach wie vor die wichtigsten Investoren auf dem Balkan sowie die wichtigsten Exportmärkte für Unternehmen aus dem Balkan sind. Die ungemein starke Position von LGP in diesen Märkten, meine eigenen Netzwerke in Österreich und der Schweiz und meine detaillierten Kenntnisse der lokalen Gegebenheiten auf dem Balkan ergeben gemeinsam eine perfekte „Win-win-Situation“. 

Haben Sie eine Erklärung dafür, warum Ihre Generation aus der Region um Tetovo oftmals so erfolgreich ist? 

Zeqiri: Die meisten jungen Geschäftsleute und Unternehmer aus dem nördlichen Teil Nordmazedoniens stammen aus Familien, die in den Westen ausgewandert sind. Dies hat ihnen die Möglichkeit gegeben, die westliche Geschäftskultur in unser Land zu tragen, was zu einem außerordentlichen Erfolg in der Geschäftswelt geführt hat. 

Sie arbeiten unheimlich viel und reisen ständig zwischen Skopje, den Balkanländern, Österreich und der Schweiz umher. Was ist Ihr nächstes Ziel – beruflich oder privat? 

Zeqiri: Mein Beruf, der viel Zeit, Einsatz und Engagement erfordert, bietet vielfältige Herausforderungen und auch Chancen für geschäftliches Wachstum. Außerdem lerne ich jeden Tag von den Menschen und Partnern, mit denen ich zusammenarbeite. Privat bin ich glücklich verheiratet und habe zwei Kinder, eine siebenjährige Tochter und einen vierjährigen Sohn. Trotz meiner zahlreichen Auslandsaufenthalte versuche ich dennoch, so viel Zeit wie möglich mit meiner Familie zu verbringen. 

Interviewpartner:

Arlind Zeqiri, M.A., Managing Partner und Mitglied des Senior Expert Council bei LANSKY, GANZGER + partner North Macedonia

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