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Tokenisierung als Finanzierungsform

Tokenisierung als Finanzierungsform

In Krisenzeiten gelangen viele Unternehmen aufgrund unvorhersehbarer Umsatz- und Gewinneinbußen an ihre finanziellen Grenzen, welche ursprünglich geplante Projekte oder Expansionen verhindern. Alternativ können kostenintensive Projekte auch über die Ausgabe von Tokens finanziert werden. 

Die Tokenisierung stellt vereinfacht ausgedrückt ein Instrument dar, das den Wert eines Assets auf der Grundlage der Blockchain-Technologie als digitale Einheiten abbildet. Im Ergebnis repräsentiert sodann jede digitale Einheit einen Anteil an dem zugrundeliegenden Asset. Diese digitalen Einheiten nennt man (Security/Asset) Tokens. Der Begriff Asset ist dabei sehr weit zu verstehen: Es kann sich um Liegenschaften, Rohstoffe, Kunstwerke, Maschinen, Gesellschaftsanteile aber auch ganze Projekte handeln. Bei der vertraglichen Gestaltung des dem Token zugrundeliegenden Vertrags hat man dabei unabhängig von der Art des jeweiligen Assets einen relativ großen Spielraum. Die große Neuerung stellt dabei jedoch nicht der dem Token zugrundeliegende Vertrag, sondern die einfache Übertragbarkeit der durch den Token repräsentierten Rechtsposition dar. Denn ähnlich wie es das Internet plötzlich erlaubt hat, Dokumente einfach digital zu versenden, erlaubt es nun die Tokenisierung Vermögenswerte per Mausklick an andere Personen zu übertragen. 

Man stelle sich beispielsweise vor, ein Unternehmer möchte sein bestehendes Hotel erweitern oder ein gänzlich neues Hotel errichten. Zur Umsetzung des Projekts bedarf es eines erforderlichen Kapitals in der Höhe von insgesamt 50 Millionen Euro. Würde man dieses Projekt mittels der Ausgabe von Tokens finanzieren, würde dies ermöglichen, dass sich Investoren bereits mit kleineren Beträgen als üblicherweise – wie beispielsweise in diesem Fall an Hotels – beteiligen können. Dies ist möglich, da durch die Tokenisierung Vermögenswerte in beliebig große Einheiten gestückelt und damit die Mindestinvestitionssummen beliebig festgelegt werden können. 

Im Zuge der Tokenisierung würde das Hotel als Asset in digitale Einheiten „zerlegt“ werden. Dafür könnte man beispielsweise eine Stückelung in 50.000 „Hotel-Token“ zu je 1.000 Euro wählen. Jeder Token würde sodann 0,002 % am Hotel repräsentieren. Den Investoren könnte man dabei je nach Ausgestaltung der Tokens beispielsweise einen Anteil am laufenden Gewinn oder – im Falle der Tokenisierung einer Projektentwicklungsgesellschaft – am einmaligen Verkaufserlös des Hotels partizipieren lassen. Die Ausgabe der Tokens könnte man sodann entweder an die breite Masse im Zuge eines öffentlichen Angebots oder an ausgewählte Personen im Zuge einer Privatplatzierung durchführen. 

Die so geschaffene Möglichkeit, sich bereits mit kleineren Investitionssummen an unterschiedlichen Assetklassen beteiligen zu können, schafft einen gänzlich neuen Markt. Dies wirkt sich für Inhaber derartiger Vermögenswerte in zweierlei Hinsicht positiv aus. Einerseits kann durch die Möglichkeit, dass ursprünglich illiquide Assets wie etwa Immobilien durch die Tokenisierung liquide gemacht werden können, ein etwaiger Verkauf bzw. Exit aufgrund einer breiteren Käuferschicht schneller durchgeführt werden. Andererseits schlägt sich die dadurch generierte erhöhte Nachfrage in einem entsprechend höheren erzielbaren Verkaufserlös nieder. 

Die Tokenisierung spielt jedoch nicht nur bei Immobilien eine große Rolle – es ist beispielsweise auch denkbar, eine Art Fonds für ein Unternehmen einer beliebigen Branche einzurichten. Man stelle sich vor, ein Unternehmer möchte aufgrund einer Coronabedingten Nachfrageverschiebung ein neues Produkt verkaufen, wofür eine neue zusätzliche Fertigungsanlage errichtet werden muss. Zur Umsetzung des Projekts bedarf es beispielsweise Kapital in der Höhe von insgesamt 10 Millionen Euro. Eine denkbare Finanzierungsmöglichkeit wäre wiederum, dass das Produktionsunternehmen Tokens ausgibt, die dem jeweiligen Tokeninhaber beispielsweise eine Beteiligung am Gewinn der Gesellschaft einräumen. Damit würde dem Unternehmen durch die Ausgabe der Tokens zusätzliches Kapital zur Verfügung stehen und den Investoren würde durch die Innehabung der Tokens anteilig am Gewinn ein entsprechender Profit zukommen. 

Möchte sich ein Tokeninhaber von seinem Investment trennen, kann dieser seine Tokens einfach an einen anderen Tokeninhaber oder einen Dritten über die Blockchain übertragen. Eine derartige Übertragung kann beispielsweise über eine Plattform oder direkt – ohne das Erfordernis etwaiger Intermediäre – zwischen Käufer und Verkäufer erfolgen. Der Exit aus einem solchen Investment könnte daher sehr unkompliziert werden. Neben der beliebigen Stückelung und der einfachen Übertragbarkeit kann die Bilanzierung des „eingesammelten“ Kapitals einen weiteren großen Vorteil der Tokenisierung darstellen. Abhängig von der rechtlichen Ausgestaltung kann dieses Kapital bilanziell nämlich auch als Eigenkapital dargestellt werden. Auf diese Weise könnten Unternehmen beispielsweise im Anschluss an die Tokenfinanzierung eine Kreditfinanzierung bei einer Bank durchführen, um so einen Hebeleffekt zu erzielen („Leverage“). 

Diese beiden jeweils grob geschilderten Beispiele zeigen freilich nur einen Bruchteil der denkbaren Möglichkeiten und der damit verbundenen Vorteile. Je nach Anwendungsfall ergeben sich projektspezifisch unterschiedliche rechtlich und wirtschaftlich positive Aspekte, die wir gerne mit Ihnen gemeinsam erörtern. 

Autoren:

Mag. RONALD FRANKL, Managing Partner, Head of Corporate, M&A and Capital Markets und Head of Blockchain and Cryptocurrencies bei LANSKY, GANZGER + partner
Mag. PETER VIRTBAUER, Rechtsanwaltsanwärter bei LANSKY, GANZGER + partner

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