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Wissenswertes über Blockchain-Betrug

Wissenswertes über Blockchain-Betrug

Die Blockchain-Technologie ist eine äußerst innovative Technologie mit vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten: Zahlungsabwicklungen ohne Intermediäre, digitale Stückelung von Vermögenswerten oder der Nachweis über Echtheit und Eigentumsrecht eines Kunstwerks. Auch die Systeme von Betrügern sind vielseitig und nicht immer auf den ersten Blick erkennbar. 

Die enorme Bandbreite an unterschiedlichen Anwendungsbereichen illustriert das große Potenzial dieser noch jungen Technologie. Leider wird diese Technologie aber auch zu Missbrauchszwecken verwendet, wodurch bereits viele Personen schwere wirtschaftliche Schäden erlitten haben. Wie kann man nun solche Betrugssysteme erkennen und sich gegen derartige Missbrauchsfälle schützen? Unvorstellbarer Reichtum und all das mit nur wenigen Mausklicks – mit derartigen Versprechen werden potenzielle Opfer solcher Betrugssysteme häufig angelockt. Die Masche ist dabei meist sehr ähnlich, denn fast immer wird mit überdurchschnittlich hohen – teils wöchentlich ausbezahlten – Renditen geworben. Nutzer melden sich sodann bei derartigen Websites an und „investieren“ in das System. Im Mitgliederbereich des jeweiligen Nutzers werden auf einem sogenannten Dashboard der einbezahlte Betrag und die bereits erzielten Gewinne in einer schönen Visualisierung angezeigt. So kann jeder Nutzer stetig verfolgen, wie seine Gewinne immer mehr und mehr werden. Die Nutzer sind überzeugt, das perfekte Investment für sich entdeckt zu haben und werden dadurch animiert, immer größere Anteile ihres Gesamtvermögens zu investieren. In Wahrheit ist all das aber eine reine Show, eine Simulation, eine Täuschung über die Wirklichkeit. Denn tatsächlich sind die investierten Beträge bereits in einer Off-Shore Jurisdiktion und die am Dashboard angezeigten Beträge sind lediglich eine Programmierung, die losgelöst von tatsächlich realisierten Gewinnen immer höhere Werte anzeigen.

Wollen Nutzer ihre investierten Beträge bzw. Gewinne ausbezahlt bekommen, werden diese zumeist mit Ausreden vertröstet. Eine Auszahlung sei derzeit aufgrund technischer Probleme nicht möglich, man müsse sich an den Support wenden. Oftmals gehen diese Systeme sogar noch einen Schritt weiter: Den Nutzern wird mitgeteilt, dass sie noch eine oder mehrere weitere Einzahlungen tätigen müssen, damit eine Auszahlung des gesamten Guthabens erst „freigeschalten“ werden kann. Viele Nutzer glauben auch zu diesem Zeitpunkt noch an das Gute und tätigen teilweise weitere Einzahlungen, ohne jemals wieder einen Bruchteil davon zurückzuerlangen. Die perfekt durchdesignten Websites täuschen viele Laien darüber hinweg, dass es sich um ein unseriöses, betrügerisches System handeln könnte – und das hat natürlich verheerende Folgen. Viele Nutzer werden dadurch in den finanziellen Ruin getrieben und geraten so an ihre wirtschaftliche Existenzgrenze. 

Gemein haben diese Systeme, dass Einzahlungen zumeist nur in Form von Bitcoins getätigt werden können. Dass die Einzahlung in Kryptowährungen erfolgt, hat freilich einen bestimmten Grund: Die Blockchain ist zwar transparent und für jedermann einsehbar – es lässt sich jedoch nur feststellen, welche Transaktionen durchgeführt worden sind und auf welchem Wallet sich beispielsweise die übertragenen Bitcoins befinden. Nicht festgestellt werden kann jedoch, wer der Besitzer einer bestimmten Wallet ist. Man kann zwar die genauen Bewegungen der investierten BTC nachverfolgen und auch erkennen, wo transferierte BTC letztendlich verwahrt sind, jedoch nicht welche Identität sich dahinter verbirgt. Diese so gewahrte Anonymität hat für Betrüger freilich einen großen Vorteil gegenüber herkömmlichen Bankkonten, deren Kontoinhaber – aufgrund umfassender Regulatorien für Banken – einfach zu ermitteln sind. 

Durch die Antigeldwäsche-Richtlinien hat sich jedoch auch diese Intransparenz etwas gebessert. Denn Dienstleister mit Fokus auf virtuelle Währungen wie etwa Exchanges (= Krypto-Handelsplattformen) mit Sitz in der EU müssen bei der Registrierung von neuen Nutzern genau feststellen, wer ihre neuen Nutzer sind („Know Your Customer-Check“). Dies ermöglicht – bei Kooperation der entsprechenden Plattformen – wiederum eine ähnliche Transparenz wie bei Banken. Neben derartigen Betrugssystemen gibt es auch zahlreiche Kryptowährungen, die mit einer missbräuchlichen Absicht erstellt und emittiert wurden. Beispielsweise wurde mit dem „Squid-Coin“ der weltweite Hype rund um die Netflix-Serie Squid Game betrügerisch ausgenutzt. Der Wert dieses Coins ist stark angestiegen, bis die Gründer des Coins dann sämtliche von ihnen bei der Ausgabe zurückbehaltenen Coins auf einmal verkauften und so den Kurs völlig abstürzen ließen. Auch dies führte zu einem Totalverlust von entsprechenden Investments. 

Um nicht in derartige Fallen zu tappen, empfiehlt es sich – wenn man in Kryptowährungen zu investieren beabsichtigt – Investitionen über namhafte große Exchanges wie etwa Kraken, Binance oder Bison durchzuführen und dabei vor allem bekannte Coins zu kaufen. Bei derartigen Investments muss man sich immer bewusst sein, dass Kryptowährungen bis dato sehr großen Kursschwankungen unterliegen. Derartige Investments sind daher nichts für zarte Gemüter. Empfehlenswert ist zudem, sein Vermögen in unterschiedliche Assetklassen zu investieren und nur einen kleinen Teil seines Gesamtvermögens in Kryptowährungen zu platzieren. 

Hat man sich bei einer Krypto-Plattform erfolgreich registriert, ist dringend anzuraten, den maximalen Sicherheitsstandard des jeweiligen Plattformbetreibers zu aktivieren. Allgemeiner Standard ist dabei eine Zwei-Faktor-Authentifizierung (2FA), bei deren Aktivierung neben dem Passwort ein Einmal-Passwort eingegeben werden muss, dass durch eine separate App (z.B. Google Authenticator) erstellt wird. Eine andere Möglichkeit ist beispielsweise – ähnlich wie beim herkömmlichen Online-Banking – die Eingabe eines per SMS zugesandten TANs. 

Derartige Sicherheitsschranken können dabei nicht nur für das Einloggen zu einem Account, sondern auch für die Abgabe von Orders, Auszahlungen oder andere Handlungen vorgesehen werden. Sollte es trotz erhöhter Vorsicht und Sicherheit dennoch zu einem Diebstahl oder Betrug kommen, sollte rasch rechtliche Unterstützung aufgesucht werden. 


AUTOR:

Mag. Ronald Frankl, Rechtsanwalt und Managing Partner bei LGP

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