Austrian Limited

Neue Gesellschaftsform für Start-ups

Austrian Limited

Als attraktive Start-up Standorte werden Länder wahrgenommen, in denen die Gesellschaftsgründung möglichst kostensparend, rasch und unbürokratisch abgewickelt werden kann. Die nach internationalem Vorbild zu schaffende unbürokratische Gesellschaftsform „Austrian Limited“ soll nun die österreichische Start-up-Szene deutlich beleben. 

Das Regierungsprogramm 2020-2024 sieht nun die Schaffung einer neuen Gesellschaftsform vor, welche sich insbesondere für Start-ups eignet. Die neue innovative Rechtsform „Austrian Limited“ soll die Attraktivität des Wirtschaftsstandorts Österreich erhöhen und ausländische Start-up Investoren durch mehr Flexibilität, weniger Formalismen und niedrigere Gründungskosten anziehen. Vom Bundesministerium für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort wurde bereits ein Rechtsgutachten in Auftrag gegeben, in welchem das Konzept der Austrian Limited noch detailliert erarbeitet wird. Weil Start-ups zumeist eine schnelle und kostengünstige Gründung erfordern, ist vorgesehen, dass die Austrian Limited zur Gänze online gegründet werden kann. 

Zur Beschleunigung der Gründung sollte künftig auch die Mitwirkung eines Notars nicht mehr zwingend erforderlich sein. Neu ist außerdem, dass aufgrund der Globalisierung im Wirtschaftsleben auch die englische Sprache für die Errichtung sämtlicher Urkunden, Beschlussfassungen sowie die interne Kommunikation nunmehr zulässig sein soll. 

Als eine weitere Besonderheit der Austrian Limited ist geplant, dass die Gesellschafter nicht mehr im Firmenbuch eingetragen werden sollen. Stattdessen soll die Austrian Limited entsprechend dem Vorbild der Aktiengesellschaft ein eigenes Anteilsbuch führen. Um die Austrian Limited im internationalen Vergleich attraktiver zu gestalten, soll das Nennkapital mindestens 5.000 Euro betragen, welches bei der Gründung mindestens zur Hälfte in bar einzuzahlen ist. Ein weiteres Merkmal ist, dass die Gesellschafter auch ihre Arbeitsleistungen als Kapital in die Gesellschaft einbringen können. Auch die Organisationsstruktur der Austrian Limited soll flexibel ausgestaltet werden. Das bedeutet: Je kleiner das Unternehmen, desto einfacher kann die Struktur sein. Jedenfalls sollte die Austrian Limited als oberstes Organ die Generalversammlung und als Leitungsorgan die Geschäftsführung haben. Vorgesehen ist, dass sich die Regelungen bezüglich der Geschäftsführer an jenen der GmbH orientieren und die Einrichtung des Aufsichtsrats nur bei Überschreiten bestimmter Schwellenwerte verpflichtend sein sollte. Zudem wäre es möglich, die Generalversammlung unter Anwesenheit der Gesellschafter sowie auch virtuell abzuhalten und Beschlüsse der Gesellschafter auch schriftlich (per E-Mail) zu fassen. 

Jeder Gesellschafter sollte einen Geschäftsanteil an der Austrian Limited halten. Laut dem neuen Regelungskonzept soll es unterschiedliche Anteilsklassen geben, welche mit unterschiedlichen Rechten und Pflichten verbunden sind. Neben den ordentlichen Anteilen sind auch besondere Gattungen vorgesehen, wie etwa Vorzugsanteile oder Anteile ohne Stimmrecht. Letztere spielen vor allem im Zusammenhang mit Mitarbeiterbeteiligungen eine wichtige Rolle, denn Start-ups benötigen vielfach dringend Fachkräfte, welchen sie jedoch am Anfang keine marktüblichen Gehälter bezahlen können. Aus diesem Grund sind Mitarbeiterbeteiligungsmodelle vorgesehen, welche die Motivation der am Unternehmenserfolg beteiligten Mitarbeiter spürbar stärken sollen. Ferner ist es für junge Start-ups zur Deckung ihres Finanzierungsbedarfs sehr wichtig, dass man rasch über die Anteile an der Gesellschaft verfügen kann. Um eine möglichst kostengünstige und flexible Übertragung der Geschäftsanteile zu gewährleisten, sollte die Übertragung der Anteile an einer Austrian Limited daher auch ohne Mitwirkung eines Notars möglich sein. Aufgrund der Rechtssicherheit erscheint es jedoch ratsam, einen schriftlichen Abtretungsvertrag (ohne Notar) zu schließen. 

Start-ups müssen sich in der Anfangsphase meistens über Risikokapital finanzieren. Daher sind Investoren oft über Kapitalerhöhungen an Start-ups beteiligt. Aus diesem Grund sollten auch Kapitalmaßnahmen in Zukunft mehr Flexibilität genießen. Bisher ist die Kapitalerhöhung einer GmbH aufwändig und zeitintensiv, was besonders für Start-ups nachteilig ist. Die Durchführung der Kapitalerhöhung einer Austrian Limited sollte demnach viel einfacher ausgestaltet werden, und zwar derart, dass sämtliche Schritte im Zusammenhang mit der Kapitalerhöhung die Mitwirkung eines Notars nicht mehr erfordern werden. Für den Fall, dass ein sehr rasches Handeln bei der Aufnahme von Eigenkapital erforderlich wird, sollte die Austrian Limited im Unterschied zu einer GmbH auch genehmigtes Kapital zulassen. 

Die nach internationalem Vorbild neu zu schaffende unbürokratische Gesellschaftsform soll vor allem ausländische Start-up-Investoren nach Österreich locken und somit die österreichische Start-up-Szene deutlich beleben. Die neue Rechtsform bringt nicht nur bessere Bedingungen für Investoren und Gründer von Start-ups, sondern aufgrund der geschilderten Beteiligungsmodelle auch neue Anreize für deren Mitarbeiter. Die Chancen für Österreich stehen nach der Einführung der neuen Gesellschaftsform gut, vor allem jetzt in der Post-Brexit-Ära ausländische Investoren nach Österreich zu ziehen. Zum Zweck der internationalen Anerkennung der Austrian Limited sollte der österreichische Gesetzgeber bei der Schaffung und Ausgestaltung der neuen Gesellschaftsform auf den „European Model Company Act“ zurückgreifen, der einen europaweit anerkannten Standard darstellt. 


AUTOREN:

Mag. Ronald Frankl, Rechtsanwalt und Managing Partner bei LGP
Dr. Natalia Feriencikova, Rechtsanwältin bei LGP

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