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Innovationsfinanzierung in Österreich

Innovationsfinanzierung in Österreich

Der Venture Capital Fonds „IST cube“, der 2018 vom Institute of Science and Technology Austria (IST) ins Leben gerufen wurde, investiert vorrangig in Life-Science- und Tech-Start-ups aus dem akademischen Umfeld. Markus Wanko, Gründer und Managing Partner von IST cube, liefert exklusive Einblicke in die Welt der Innovationsfinanzierung. Das Interview führten Gili Perl und Talin Schrattenholzer. 

Können Sie uns ein wenig über sich und Ihre Tätigkeit beim Institute of Science and Technology erzählen? 

Markus Wanko: Vor 20 Jahren konnte ich am Massachusetts Institute of Technology (MIT) in den Vereinigten Staaten studieren, weil meine (heutige) Frau ein Harvard Fellowship bekommen hat. Dort habe ich die Zeit nicht nur an der Business School verbracht, sondern auch eine Vielzahl naturwissenschaftlicher Kurse belegt. Das war der Anfang eines – sicher nicht umfassenden – aber vielleicht doch breiteren Verständnisses verschiedener Disziplinen, das ich versuche bestmöglich zu erhalten und auszubauen. 

Danach habe ich für einen Investmentfonds und ein weltweit tätiges Strategieberatungsunternehmen gearbeitet. Seit unserer Rückkehr nach Österreich 2014 bin ich beim IST Austria vorrangig damit beschäftigt, den Technologietransfer und damit verbundene Projekte aufzubauen. 

Gerade US-Universitäten wie Harvard, Stanford oder dem MIT stehen im Vergleich zu österreichischen Universitäten ein beträchtliches Budget für Forschung und Entwicklung zur Verfügung. Wie sehen Sie das? 

Wanko: Ja, dieser Vergleich zwischen Europa und den USA wird oft gezogen und er hat naturgemäß viele unterschiedliche Dimensionen. In budgetärer Hinsicht haben Sie recht, vor allem was die großen Forschungsuniversitäten betrifft – MIT zum Beispiel hat ein Jahresbudget von 4 Milliarden US-Dollar. 

Eine andere ist die zeitliche Dimension. Die gesetzliche Regelung, dass Universitäten Eigentumsrechte an den entstandenen Erfindungen kommerziell verwerten können – der sogenannte „Bayh-Dole Act“ – besteht seit Anfang der 80er Jahre. In vielen Ländern Europas, so auch in Österreich, ist dieses Verwertungsmodell erst ab 2000 eingeführt worden. Die Vereinigten Staaten haben somit rein rechtlich bereits 20 Jahre Vorsprung. Außerdem spielen sicherlich auch das leichtere Gründen von Unternehmen, die höhere Risikofreude und gewisse Mentalitätsunterschiede eine große Rolle. 

Wie sieht die Situation in Israel aus? 

Wanko: Israel ist natürlich auch ein super Beispiel. Es verfügt über führende Forschungsinstitute, wie z.B. das Weizmann-Institut für Wissenschaften und hat heute eine gut funktionierende Venture Capital Szene, die im Übrigen auch nicht ohne öffentliche Hilfe entstanden ist. Viele der heutigen VC-Player haben ihren Ursprung in einem Projekt namens Yozma aus den 80er Jahren. Um Venture Capital ins Leben zu rufen, wurden damals öffentliche Gelder verwendet, um Fondmanagern ihren ersten Fonds zur Hälfte zu finanzieren. Aus diesen Fonds sind über die Jahre sich selbst erhaltende und privat finanzierte Venture Capital Fonds entstanden.

Gibt es in Österreich im Bereich der Innovationsfinanzierung einen Reformierungsbedarf? 

Wanko: In der Forschungsfinanzierung differenziert Österreich stark zwischen grundlagenorientierter und angewandter Forschung – eine Unterscheidung, die je nach Disziplin gar nicht so trivial ist. Denn der Bereich der unternehmensgeleiteten kooperativen Forschung ist durchwegs gut finanziert, während die wettbewerbliche Grundlagenforschung im internationalen Vergleich unterdotiert ist. An vielen Beispielen zeigt sich aber, dass gerade diese eine Quelle für bahnbrechende neue Ideen und auch Unternehmen ist. Auch deshalb freut es mich besonders, dass mit der Einrichtung des IST Austria im Jahr 2006 ein bewusster und mutiger Schritt in diese Richtung unternommen wurde. 

Im Bereich der Risikokapitalfinanzierung fristet Österreich nach wie vor ein Dasein, das mit dem Potenzial der Wissenschaft in diesem Land in keinem Verhältnis steht. Das war mit ein Grund für die Gründung von IST cube, einem Fonds, der sich gezielt Spin-offs von österreichischen Forschungseinrichtungen widmet. 

Hat das Institute of Science and Technology einen bestimmten Forschungsschwerpunkt? 

Wanko: Nein, es gibt bewusst keinen singulären Forschungsschwerpunkt. Wir sind ein multidisziplinäres Forschungsinstitut, welches zum Austausch und zur Zusammenarbeit quer über alle Forschungsbereiche hinweg ermuntert. Das ist dem Weizmann-Institut nachempfunden, welches auch sehr breit aufgestellt ist. Wir haben am Institut Vertreter aller großen Disziplinen, von der Physik und Chemie über Neurowissenschaften und Biologie bis hin zu Mathematik und Computerwissenschaften vereint. 

Was verbindet das IST mit dem Weizmann-Institut? 

Wanko: Die Verbindung zwischen den beiden Instituten ist insofern interessant, weil Haim Harari, Physiker und langjähriger erfolgreicher Präsident des Weizmann-Instituts, eine Schlüsselfigur in der Entwicklung des IST darstellt. Gemeinsam mit Olaf Kübler, vormaliger Präsident der ETH Zürich und Hubert Markl, ehemaliger Präsident der Max-Planck-Gesellschaft in Deutschland, hat er den Blueprint des Instituts geschrieben und auch lange Jahre das Exekutivkomitee des Kuratoriums geleitet. 

Auch Sie wollen mit Ihrem Investmentfonds IST cube Innovationen fördern. Können Sie uns mehr darüber erzählen? 

Wanko: Vor drei Jahren haben wir das Projekt gestartet. Geplant war, mit IST cube in Ausgründungprojekte, also in Spin-offs, zu investieren. Das Problem in Österreich ist, dass es zur Gründungsfinanzierung nach wie vor keine wirklich institutionalisierten Eigenkapitalgeber in Form von spezialisierten Venture Capital Fonds gibt. Unsere Kollegen von der Speedinvest sind das einzige Team, das es geschafft hat, eine Serie von Fonds aufzulegen und über Österreich hinweg bekannt und tätig zu werden. Deren Fokus liegt aber nicht auf den Ergebnissen akademischer Forschung und so bestand in Österreich ein großes Vakuum. 

Wir haben rasch das Potenzial erkannt und gemeinsam mit einem britischen Investmentfonds ein Vehikel gestartet, mit dem man in akademische Ausgründungen aus diversen österreichischen Forschungseinrichtungen investieren kann. Letztes Jahr haben wir für dieses Projekt ein größeres Fundraising betrieben. Im Dezember 2020 wurde der Fonds in einer Finanzierungsrunde auf über 40 Millionen Euro aufgestockt. Wir hatten ursprünglich 30 Millionen Euro geplant, doch das Interesse war doch überraschend groß. Wir bekommen auch jetzt noch Anfragen und überlegen deshalb, noch einmal aufzustocken. 

Wir haben mit dem Fonds bereits in 10 Spin-offs investiert, zum Beispiel Contextflow, die mit ihrer Software Radiologen unterstützt oder Ribbon Biolabs, die DNA synthetisch herstellen. Ein großer Teil geht übrigens in den Life Science-Bereich, etwa in die Entwicklung antiviraler Therapeutika. Unser letztes Investment machten wir in Solgate, einem gemeinsamen Spin-off des CeMM und IST, welches die neue Target Klasse der Solute Carriers (Transportproteine) federführend mitentwickelt. Am liebsten sind uns interdisziplinäre Projekte, bei denen wir auch die wissenschaftliche Breite des IST und unsere Team-Expertise nutzen können. Ein Umstand, der aus meiner Sicht in Zukunft noch bedeutender sein wird als heute. 


AUTOREN:

Gili Perl, MA., Generalsekretärin bei AICC
Mag. Talin Schrattenholzer, Marketing & Business Development bei AICC
Markus Wanko, MSc. MBA, Gründer und Managing Partner bei IST cube (Foto: IST cube)

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