Newsroom / News / Medien / Infomagazin LGP News 01/2021 / Chancen für Infrastrukturausbau in Nordmazedonien

Chancen für Infrastrukturausbau in Nordmazedonien

Chancen für Infrastrukturausbau in Nordmazedonien

In der Westbalkan-Region besteht ein massiver Investitionsrückstau bei transeuropäischen Verkehrsinfrastrukturen und länderübergreifenden Energieprojekten. Erhöhte EU-Fördermittel bieten nun auch in Nordmazedonien gute Chancen für Bauunternehmen und Investoren bei öffentlichen Großaufträgen.

Der Westbalkan ist nicht nur eine strategisch wichtige Transitzone für Waren und Menschen, sondern auch eine boomende Tourismusregion. Dennoch sind sowohl die Verkehrsinfrastruktur als auch andere öffentliche Bauvorhaben in der gesamten Region nach wie vor unterfinanziert und bedürfen dringender Investitionen. 

Ehrgeizige internationale Programme sollen nun dieses Problem lösen. Um kostspielige Infrastrukturprojekte beispielsweise im Verkehrsbereich zu finanzieren, ist der Westbalkan weiterhin von Krediten abhängig, die sowohl von der Europäischen Union und internationalen Finanzinstitutionen als auch von Gruppen einzelner Geberstaaten gewährt werden. 

Nordmazedonien als südlichste und weitgehend ländliche Teilrepublik der ehemaligen Republik Jugoslawien wurde diesbezüglich lange Zeit vernachlässigt. Nach der Erlangung der Unabhängigkeit in den frühen 1990er Jahren blieben die Infrastrukturinvestitionen in Nordmazedonien relativ gering, wobei die wenigen realisierten Projekte von Bauverzögerungen und Skandalen geprägt waren. In den letzten Jahren wurden jedoch erhebliche Anstrengungen unternommen, die bestehende Infrastruktur mit neuen, effizienten Projekten zu modernisieren, um die eigene Wettbewerbsfähigkeit zu sichern und die lokale Wirtschaft zu unterstützen. 

Dieser Modernisierungsschub wird von der Europäischen Union und anderen Körperschaften und Ländergruppen aktiv gefördert. Nordmazedonien ist ein sehr wichtiger Transitknotenpunkt für Waren, die von Griechenland großen Häfen nach Mittel- und Westeuropa sowie zwischen Albaniens Adriahafen Durres und den Schwarzmeerhäfen Bulgariens transportiert werden. Zwei der zehn großen paneuropäischen Verkehrskorridore, welche durch Mittel- und Osteuropa führen und großer Investitionen bedürfen, führen ebenfalls durch das Land. Entlang des Autobahnkorridors 10, der Nordmazedonien auf einer Nord-Süd-Achse durchquert, sind aktuell mehrere Straßenbauprojekte im Gange. Weitere Großprojekte sollen noch in diesem Jahr öffentlich ausgeschrieben werden, wobei die Arbeiten voraussichtlich das kommende Jahrzehnt andauern werden. 

Entlang des Eisenbahnkorridors 8, der das Land von Osten nach Westen durchquert und Bulgarien mit Albanien verbindet, will die nordmazedonische Regierung demnächst über 600 Millionen Euro in die Erneuerung und Modernisierung der Eisenbahninfrastruktur, Schienenfahrzeuge und Sicherheit investieren. Neben transeuropäischen Verkehrsinfrastrukturprojekten sind auch länderübergreifende Energieprojekte wie die Gasverbindungsleitung Griechenland-Nordmazedonien sowie andere große öffentliche Bauvorhaben im Wert von mehreren hundert Millionen Euro geplant. Insgesamt bedeuten die teilweise EU-finanzierten Verkehrsinfrastrukturprojekte bis 2025 ein Ausschreibungsvolumen von circa fünf Milliarden Euro, was internationalen Bietern in Zusammenarbeit mit sachkundigen lokalen Partnern enorme Chancen eröffnet. 

LGP Skopje ist gemeinsam mit den LGP Standorten in Wien und Bratislava ideal positioniert, um sowohl lokalen als auch internationalen Investoren bei der Suche nach den richtigen Projektpartnern zu helfen. 

Die rechtliche Beratung umfasst sämtliche Phasen und Aspekte solcher Projekte – diese reicht von der Bildung von Konsortien über Ausschreibungs- und Vergaberecht, Due Diligence, Vertragsrecht einschließlich spezialisierter FIDIC-Verträge bis zur Prozessführung vor nationalen Gerichten und internationalen Schiedsgerichten. 

AKTUELLE INFRASTRUKTURPROJEKTE

Korridor 8 Eisenbahn – Verbindung mit Bulgarien 

  • Fertigstellung der Eisenbahnlinie von Kumanovo nach Beljakovce – Gesamtwert des Projekts ist EUR 45 Mio. 
  • Bau einer neuen Eisenbahnlinie von Beljakovce nach Kriva Palanka – geschätzte Projektkosten EUR 145 Mio., die Hälfte ist ein Zuschuss 
  • Neue Eisenbahnlinie von Kriva Palanka nach Deve Bair (dritte Phase des Korridors 8 von Kumanovo nach Bulgarien) – das Projekt kostet etwa EUR 370 Mio. 
  • Sanierung und Ausbau des Straßenabschnitts des Orient /East-Med-Kernnetzes in Nordmazedonien, von Kriva Palanka bis zum Grenzübergang Deve Bair zu Bulgarien 

Korridor 8 Eisenbahn – Verbindung mit Albanien 

Dieser Korridor beinhaltet eine Eisenbahnverbindung zwischen Kicevo, Nordmazedonien und Lin, Albanien und soll über die Stadt Ohrid führen. Mit dieser Eisenbahn wird der Westbalkan direkt an das Schwarze Meer angeschlossen. Sie wird nach vorläufigen Schätzungen 62,5 km lang sein, die Vorbereitung des Projekts kostete ca. 8 Mio. EUR, die Finanzierung ist aber noch nicht gesichert. 

Flughafen-Eisenbahn

Die Eisenbahnverbindung von Skopje zum Internationalen Flughafen Skopje steht ganz oben auf der Liste des Ministeriums für Verkehr und Kommunikation. Die Kostenschätzungen liegen bei ca. 30 Mio. EUR. Dieses Projekt erfordert den Bau einer neuen Eisenbahnlinie vom Bahnhof Ilinden oder Miladinovci sowie eines Bahnhofs am internationalen Flughafen Skopje. 

Gasverbindungsleitung Griechenland – Nordmazedonien (IGNM) 

Die Nationalen Energieressourcen Nordmazedoniens (NER) unterzeichneten eine Absichtserklärung über einen gemeinsamen Ansatz zur Diversifizierung des Erdgases und zur Bewältigung der Herausforderung der Versorgungssicherheit innerhalb der Central and South-Eastern Europe Gas Connectivity Initiative (CESEC). Der Abschnitt in Nordmazedonien wird voraussichtlich 80 km lang sein, während der griechische Abschnitt 60 km lang sein wird. 

GrCF2 W2 – Abwasserprojekt Skopje 

Zu diesem Zweck plant die EBRD ein Darlehen von bis zu 60 Mio. EUR an Nordmazedonien, das durch ein Darlehen von 60 Mio. EUR der EIB für den Bau einer Kläranlage in Skopje kofinanziert wird. Eine zusätzliche Finanzierung für das Projekt wird ebenfalls in Betracht gezogen. Das Projekt wird die zweite Investition in Skopje im Rahmen des Green Cities Framework („GrCF“) sein und umfasst den Bau einer neuen Kläranlage für Skopje, die im südöstlichen Teil des Skopje-Tals im Stadtbezirk Gazi Baba errichtet werden soll. Die Gesamtkosten werden auf EUR 120 Mio. geschätzt. 

Andere geplante Infrastrukturprojekte: 

  • Durchführbarkeitsstudie für den Bau einer Eisenbahnverbindung nach Strumica und Bulgarien 
  • Wiederherstellung der Linien Veles–Bitola und Bitola–Kremenica
  • Solare Bahnhöfe–Wiederaufbau und Modernisierung der Bahnhöfe entlang des Korridors 10 und 10d 
  • Im dritten Quartal 2021 soll die internationale Ausschreibung für die Auswahl eines Auftragnehmers für die zweite Phase der Autobahn Skopje – Blace mit einer Länge von ca. 10,5 km bekannt gegeben werden 


AUTOREN:

Arlind Zeqiri, MA., Managing Partner bei LANSKY, GANZGER + partner Skopje
Suzana Anchevska, Business Development bei LANSKY, GANZGER + partner Skopje
Philipp Freund, MA. BA., Head of Business Development und Policy Advisor bei LANSKY, GANZGER + partner

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