Newsroom / News / Medien / Infomagazin LGP News 01/2020 / Frischer starker Wind direkt über der Donau

Frischer starker Wind direkt über der Donau

Frischer starker Wind direkt über der Donau

Die LGP Niederlassung in Bratislava wird von drei geschäftsführenden Partnern geleitet. Zum Führungstrio gehören neben Gabriel Lansky und Gerald Ganzger der slowakische Rechtsanwalt Martin Jacko. Journalist Ján Füle hat mit ihm über aktuelle Themen und seine Erwartungen an die neue Ausrichtung des Unternehmens gesprochen.


Ján Füle: Martin, Sie gehören bereits seit Beginn an zum Team der 2007 gegründeten LGP Bratislava und seit 2015 sind Sie geschäftsführender Gesellschafter. Unlängst wechselte einer von zwei slowakischen Partnern in einen anderen Bereich. Was bedeutet das für LGP und Sie als leitenden slowakischen Partner?

Martin Jacko: Dieser Wechsel bedeutet für mich noch mehr persönliche Verantwortung, aber auch eine Möglichkeit, das Büro mit einem sehr offenen Geist angesichts der zahlreichen neuen Herausforderungen zu führen. Ich bin davon überzeugt, dass dieser neue Führungsstil mehr Standardisierung, Stabilisierung und eine Zunahme an internationalen Projekten, auch solchen die im Wiener Büro initiiert werden, bringt.

Füle: Wie halten Sie mit Ihren Kunden Schritt?

Jacko: Es hat sich zweifellos bewährt, immer einen Schritt vorauszudenken. Zunächst einmal muss ich sagen, dass das Unternehmen sehr gut aufgestellt ist und im Laufe der Jahre viele zufriedene Kunden gewonnen hat. Gerade in einem disruptiven Geschäftsumfeld erwarten sich die Kunden neben einem zuverlässigen Service heute noch mehr Effizienz, Flexibilität und maßgeschneiderte Lösungen für ihre Unternehmen. Ich bin aber auch ein Mensch, der gerne neue Herausforderungen annimmt und diese mit viel positiver Energie zu lösen versucht. Praktisch gesehen ist es für mich sicher ein großer Vorteil, dass ich von Anfang an dabei war.

Füle: Können Sie uns ein Beispiel für ihre Arbeitsweise nennen?

Jacko: Ich habe mich beispielsweise intensiv mit „Building Information Modelling“ (BIM) beschäftigt, das die Welt des Bauwesens wirklich revolutioniert. Die einheitliche Kommunikations- und Informationsbasis – von der Anfangsphase der Projektvorbereitung über den gesamten Bau bis hin zum Facility Management – wird auf natürliche Weise die Digitalisierung der Bauindustrie beschleunigen, die nicht länger aufzuhalten ist. BIM ist ein sehr nützliches Werkzeug nicht nur für Architekten, sondern auch für Bauträger, Bauherren, Investoren, Banker, Versicherungen, Facility Manager und Ingenieure. Denn es führt zu einer grundlegenden Veränderung des Arbeitsablaufs mit vielen neuen Möglichkeiten. Deshalb freue ich mich, dass LGP als Rechtsexperte Teil dieser Digitalisierungs-Offensive ist, die von Fachleuten und Pionieren zügig vorangetrieben wird. Einen ähnlichen Ansatz sehe ich übrigens auch bei meinen österreichischen Kollegen im Bereich der Tokenisierung von Immobilien.

Füle: Sie haben eine beeindruckende Erfolgsbilanz im Bereich Immobilien sowie insbesondere bei Infrastrukturprojekten vorzuweisen. Welche Arten von Vertragsbedingungen werden bei Projekten mit großen Bauunternehmen am häufigsten verwendet?

Jacko: Die Projekte, an denen ich persönlich teilnehmen konnte, wurden meist durch verschiedene standardisierte Vertragsbedingungen geregelt. Die auf internationaler Ebene am häufigsten verwendeten sind die Vertragsbedingungen mit der Bezeichnung FIDIC, die aufgrund der EU-Finanzierung auch in der Slowakei zum Einsatz kommen. Es sind diejenigen, die von der Weltbank, der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung und ähnlichen Institutionen standardmäßig verwendet werden. Zu unseren weiteren Dienstleistungen zählt auch das Förderungsmanagement in Zusammenarbeit mit Bauingenieuren.

Füle: Welches waren die wichtigsten Projekte, an denen Sie beteiligt waren?

Jacko: Zu den wichtigsten jüngeren Projekten, an denen wir beteiligt waren, gehören der Eisenbahnkorridor Baku – Boyuk Kesik in Aserbaidschan, das Autobahnprojekt D1 Lietavská Lúčka – Višňové – Dubná Skala, Dubná Skala – Turany, Jánovce – Jablonov – Phase 1, die Autobahn R2 Ruskovce – Pravotice sowie die Rekonstruktion und Modernisierung der Slowakischen Nationalgalerie.

Füle: Sie konzentrieren sich auch stark auf das Thema Krisenmanagement, das in der aktuellen COVID-19 Situation sehr gefragt ist.

Jacko: Wir versuchen unseren Kunden zu helfen, mit belastenden und unerwarteten Ereignissen umzugehen, die ihre Organisation als Ganzes oder ihre Stakeholder bedrohen. Die aktuelle Pandemiesituation wirft eine Reihe rechtlicher Fragen auf (auch einige, die wir normalerweise nicht ansprechen) und zwingt die Firmen förmlich dazu, sich schnell an neue Bedingungen anzupassen, um negative wirtschaftliche Auswirkungen zu beseitigen. Je früher ein Unternehmen bereit und willens ist, sich an neue Bedingungen anzupassen, desto schneller wird es sich erholen.

Füle: Sie bewerben LGP Bratislava als Kompetenzzentrum für Insolvenzund Restrukturierungsfragen in der LGP Gruppe. Warum?

Jacko: Ich habe als eingetragener Insolvenz- und Sanierungsverwalter fast 10 Jahre Erfahrung bei der Erbringung von Dienstleistungen, die mit Insolvenz-, Sanierungsund Verwaltungsangelegenheiten zusammen hängen. In dieser langen Zeit konnten wir Dutzende von Insolvenz- und Restrukturierungsfällen erfolgreich abschließen.

Füle: Aktuell scheint dies ja sehr zeitgemäß zu sein, da die gegenwärtige Coronakrise zu einer existenzgefährdenden wirtschaftlichen Situation für Unternehmer führen kann.

Jacko: Leider haben Sie recht, da wahrscheinlich vielen Schuldnern der Bankrott drohen wird. In diesem Zusammenhang hat die slowakische Regierung einen vorübergehenden Schutz für Unternehmer beschlossen. In der Anfangsphase ist es jedoch ihre Pflicht, unverzüglich angemessene und verhältnismäßige Maßnahmen zu ergreifen, um einen Bankrott zu verhindern. Die Verhandlungen mit den Gläubigern über Erleichterungen, Schonfristen und Ratenzahlungen sollten von erfahrenen Beratern geführt werden. Der nächste Schritt wäre die Prüfung einer Umstrukturierung, die es einem Schuldner ermöglicht, unter bestimmten Bedingungen zu überleben, sowie die Überwachung seiner Gläubiger, des Gerichts und des Sanierungsverwalters. Sollten diese Maßnahmen keine Lösung bieten und der Konkurs die einzige Möglichkeit sein, dann sollte dies zumindest auf eine ordnungsgemäße und professionelle Art und Weise erfolgen.

Füle: Last but not least: Was bedeutet es für Sie und Ihre Mitarbeiter, dass Sie mit dem Titel „Empfehlenswerte Anwaltskanzlei“ bei der Verleihung „Anwaltskanzlei des Jahres“ in der Slowakei 2020 ausgezeichnet wurden?

Jacko: In erster Linie ist diese Würdigung unserer Verpflichtung gegenüber unseren Kunden geschuldet, Dienstleistungen mit einem sehr hohen Qualitätsstandard zu erbringen. Zudem sind wir bestrebt, kontinuierlich zu lernen und unsere Kompetenz bei der Erbringung von Rechtsdienstleistungen laufend zu erweitern. Vermutlich deshalb wurden wir heuer in den Kategorien Gesellschaftsrecht und Streitbeilegung als empfohlene Anwaltskanzlei eingestuft und ausgezeichnet … das freut uns natürlich sehr. 

Autor:

JUDr. Martin Jacko, Managing Partner bei LANSKY, GANZGER + partner Slovakia

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