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Aserbaidschan wird zum Transport- und Logistikhub

Aserbaidschan wird zum Transport- und Logistikhub

Durch seine geographische Lage an der Schnittstelle mehrerer internationaler Transportkorridore entwickelt sich Aserbaidschan zunehmend zu einer attraktiven Drehscheibe für den internationalen Transitgüterverkehr. Im Zuge des Ausbaus der Infrastruktur wurden besonders im Transportsektor bereits einige großflächige Projekte umgesetzt. 

Mit der Fertigstellung der neuen Bahnverbindung Baku – Tiflis – Kars (BTK) wurde im Herbst 2017 eine 849 Kilometer lange direkte Eisenbahnverbindung mit der Türkei via Georgien geschaffen. Damit schließt BTK eine wichtige Lücke im internationalen Schienenverkehr durch die Ermöglichung eines unimodalen Güterverkehrs von Zentralasien und Russland nach Europa. Da diese Bahnverbindung eine wichtige Ergänzung zur ausgelasteten Nordroute über Russland darstellt, konnten Ende 2019 bereits 300.000 Tonnen Güter über diese neue Route transportiert werden. Die derzeitige Kapazität der Strecke liegt circa bei 5 Millionen Tonnen Gütern, die mittel- und langfristig jedoch noch erhöht werden kann. 

Parallel dazu entwickelt Aserbaidschan den internationalen Transportkorridor Nord-Süd. 2018 wurde eine Teilstrecke zwischen den gleichnamigen Grenzstädten Astara (Iran) und Astara (Aserbaidschan) – darunter eine Eisenbahnbrücke über den Fluss Astarachay – in Betrieb genommen. Die Aserbaidschanischen Eisenbahnen betreiben dabei die Bahn- und Frachtterminals in Astara (Iran) bis auf weiteres über einen Zeitraum von 25 Jahren. Die Gesamtinvestitionen bei diesem Projekt belaufen sich auf 60 Millionen USD. Der letzte fehlende Abschnitt auf dem 7.000 km langen Nord-Süd Korridor ist die Strecke Rascht – Astara innerhalb des Iran. Auch den Bau dieser 170 km langen Strecke ist die aserbaidschanische Regierung bereit, finanziell zu unterstützen. Denn die Schließung dieser Lücke würde eine direkte Bahnverbindung zwischen Russland, den Häfen im Persischen Golf und dem Bahnnetz Indiens ermöglichen. Zudem modernisiert Aserbaidschan derzeit die Bahnstrecken zur iranischen und zur russischen Grenze. Letztere – die 167 Kilometer lange Strecke von Sumgajit bis Yalama – wird durch die Asiatische Entwicklungsbank ADB (150 Millionen USD) und die französische Entwicklungsagentur AFD (100 Millionen USD) kofinanziert. 

Landwege und Seetransport auf Expansionskurs

Seit 2018 wird auch eine neue Autobahn von Baku bis zur russischen Grenze gebaut, die bis Ende 2020 fertiggestellt werden soll. Für dieses ambitionierte Projekt stellte die Regierung Budgetmittel in Höhe von 150 Millionen USD bereit. Das zweite große Projekt betrifft den vierspurigen Ausbau des westaserbaidschanischen Straßenabschnitts von der zweitgrößten Stadt Gandscha bis zur georgischen Grenze (131 Kilometer). Das Projekt wird größtenteils durch die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung finanziert und soll bis Ende 2021 fertiggestellt werden. Nach der bereits im Herbst 2018 erfolgten Inbetriebnahme der 200 Kilometer langen Autobahn von Baku bis Astara wird derzeit auch eine neue Schnellstraße von Astara bis zur iranischen Grenze gebaut. Kein Wunder, dass Aserbaidschan laut dem Global Competitiveness Index 2019 des World Economic Forum im Bereich der Qualität der Straßeninfrastruktur mittlerweile Platz 27 belegt – das ist Platz 1 unter den GUS-Staaten. 

Neben den genannten Straßen- und Schienenprojekten wird auch die Entwicklung der Seeverkehrsinfrastruktur zügig vorangetrieben. Die staatliche Reederei Azerbaijan Caspian Shipping Company (ASCO) hat in den letzten fünf Jahren zwanzig neue Schiffe gekauft und plant in den nächsten zehn Jahren die Beschaffung von über 70 weiteren Schiffen mit einem Investitionsvolumen in Höhe von 1,5 Milliarden USD. Aktuell steuern die Fähren der Reederei die Häfen Aktau, Kuryk (beides Kasachstan) und Turkmenbashi (Turkmenistan) an, zwei RoRo-Schiffe (das sind Transportschiffe für rollende Ladungen) bedienen Routen nach Aktau und Turkmenbashi. Seit kurzem betreibt ASCO – in einem Konsortium mit Partnern aus Rumänien und Georgien – auch den Linienseeverkehr zwischen den Häfen Constanța (Rumänien) und Batumi/Poti (Georgien). 

Gleichzeitig entsteht in Alat, 65 Kilometer südlich von Baku, der größte Hafen am Kaspischen Meer. Der Hafen liegt auch für den Straßen- und Bahnverkehr strategisch günstig an der Kreuzung der internationalen Transportkorridore Ost-West und NordSüd. Die erste Ausbauphase wurde im Mai 2018 abgeschlossen und mit einem Projektvolumen von 500 Millionen USD gänzlich durch den Staat finanziert. Die jährliche Umschlagkapazität beträgt derzeit 15 Millionen Tonnen Frachten einschließlich 100.000 Standardcontainer (TEU). Weitere Ausbauphasen, die eine Umschlagkapazität bis 25 Millionen Tonnen inklusive 500.000 TEU ermöglichen sollen, sind von der Entwicklung des Frachtaufkommens abhängig und sollen künftig auf einem Modell der öffentlich-privaten Partnerschaft basieren. Im Jahr 2019 betrug der Frachtumschlag des Hafens mehr als 4 Millionen Tonnen inklusive 35.152 TEU, außerdem soll auf einer 120 Hektar großen Hafenfläche eine freie Wirtschaftszone (FEZ) eingerichtet werden.

Aber auch im Bereich der Luftfahrt tut sich einiges: Seit 2005 verfügt der Heydar Aliyev International Airport als einer von sechs internationalen Flughäfen in Aserbaidschan über ein Cargo-Terminal mit einer Fläche von 12.000 m2 (Vorfeldfläche: 163.000 m2 ). Im Jahr 2013 eröffnete das zweite Terminal, welches mit einer Fläche von 8.000 m2 auch für die Abfertigung verderblicher Güter bestens geeignet ist. Das heutige Streckennetz des Frachtflugkonzerns Silk Way umfasst mehr als 50 Destinationen weltweit, dazu zählen bedeutende Verkehrsknotenpunkte wie Hong Kong, Seoul, Shanghai, Singapur, Dubai, London, Amsterdam und Chicago. Die aus zehn Boeing-Frachtflugzeugen bestehende Flotte der Tochtergesellschaft Silk Way West Airlines soll demnächst ebenfalls ausgebaut werden.

Autor:

Mag. Orkhan Ismayilov, Legal Consultant und Regional Manager Azerbaijan bei LANSKY, GANZGER + partner

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