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Breakfast Talk am 24. April 2019

Breakfast Talk am 24. April 2019

Whistleblowing-Systeme funktionieren nicht überall gleich gut.

Beim Breakfast Talk „Whistleblowing-Systeme: unternehmerische Notwendigkeit oder Aufruf zur Nestbeschmutzung?“ am 24. April 2019 informierten Gerald Ganzger, Piroska Vargha, Matthias Cernusca mit Markus Eder (Casinos Austria Gruppe) und Matthias Klinger (UniCredit Bank Austria) über die rechtlichen Grundlagen und Erfahrungswerte aus der Praxis namhafter Unternehmen im Umgang mit betrieblichen Meldesystemen. Zum interaktiven Frühstückstermin unmittelbar nach Ostern kamen rund 30 Compliance-Experten und Interessenten. Grundtenor: Der Erfolg bei der Einführung von Whistleblowing-Systemen steht und fällt mit der Einbindung der Mitarbeiter, sauber aufgesetzten Kommunikationskanälen und gut zugänglichen Plattformen. Erfahrungsberichte aus der Praxis zeigen: Whistleblowing-Systeme funktionieren noch nicht überall gleich gut, im öffentlichen Sektor sind sie umstritten.

Matthias Cernusca (LGP), Matthias Klinger (UniCredit Bank Austria), Piroska Vargha (LGP), Markus Eder (Casinoas Austria Gruppe), Gerald Ganzger (LGP)

Eine Umfrage der Europäischen Kommission hat ergeben, dass 87 % der befragten Mitarbeiter und Vorstandsmitglieder in EU-Ländern mindestens einmal einen Missstand im Unternehmen, aus Sorge vor den Folgen, nicht gemeldet haben. Mit der am 12. März 2019 beschlossenen Richtlinie werden Whistleblower in der EU künftig besser geschützt, es gelten Mindeststandards zum Schutz von Hinweisgebern. Unternehmen ab 50 Mitarbeitern sind dazu verpflichtet, interne Meldekanäle einzurichten. Zusätzlich sollen Hinweisgeber dann besonderen Schutz genießen, wenn sie sich direkt an nationale Behörden, EU-Organisationen oder an Medien wenden. Dem Schutz unterliegen Personen, die überzeugt sind einen Missstand („Wrong-Doing“) zu melden. Gerald Ganzger hält die Einigung der EU-Staaten und des EU-Parlaments auf Mindeststandards für einen wichtigen Vorstoß in Richtung Schutz der Whistleblower – deren Schutz wäre bis dato „rudimentär“. Das vorgeschriebene Stufensystem werde allerdings in der Praxis zu Diskussionen führen, so Gerald Ganzger. „Bad news is good news“, wie das Beispiel des Dieselskandals in Deutschland zeige. Ist eine Person erst einmal mit Informationen über Missstände an die Öffentlichkeit gegangen, ist der Schaden für die Reputation einer Organisation enorm. Daher müssen aus Sicht von Gerald Ganzger Hinweisgeber dazu verpflichtet sein, in einem ersten Schritt innerhalb des Unternehmens zu informieren.

Matthias Cernusca (LGP), Markus Eder (Casinos Austria Gruppe), Gerald Ganzger (LGP), Matthias Klinger (UniCredit Bank Austria), Piroska Vargha (LGP)

Ein funktionierendes Whistleblowing-System setzt voraus, dass Meldungen über Missstände nachgegangen und aufgeklärt werden. So haben zum Beispiel die Casinos Austria Gruppe und die UniCredit Bank Austria eigene Web-Portale eingerichtet, die Aufklärung von Missständen erfolgt IT-gestützt. Die Nutzeroberfläche ist einfach in der Anwendung, die Anonymität bleibt garantiert. Die Casinos Austria Gruppe setzt in der internen Kommunikation auf Bewusstseinsbildung, um Akzeptanz für das Hinweisgeber-System zu erreichen. Die UniCredit Bank Austria eröffnet sowohl ihren Mitarbeitern als auch ihren Kunden die Möglichkeit, Missstände zu melden. Die Erwartungshaltung des Managements gegenüber den Mitarbeitern ist, dass Hinweise proaktiv gegeben werden. In der Praxis gibt es noch Herausforderungen im Umgang mit Whistleblower-Systemen, etwa wenn ein Hinweisgeber Informationen weitergibt, die Rückschlüsse auf seine Person ziehen lassen. Arbeitsrechtlerin Piroska Vargha weist auf die menschliche Dimension der Whistleblower-Thematik hin – „Der Mensch hinter einer Meldung muss geschützt werden“. Um Problemen vorzubeugen, seien klare Regelungen im Dienstvertrag wesentlich. Eine Orientierung bietet auch die ISO Norm 19600, die die Einrichtung und Implementierung von Compliance-Management-Systemen normiert. Die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft bietet eine Hinweisgeber-Plattform für Wirtschaftsstrafsachen. Der Hinweis kann über ein Webportal eingegeben werden. Der Informationsaustausch bei dem Verdacht auf Missstände findet mit einem Oberstaatsanwalt statt und ist beidseitig anonym. Strafrechtler Matthias Cernusca sieht in diesem Zusammenhang die latente Gefahr des Anschwärzens.

Markus Eder (Casinos Austria Gruppe), Gerald Ganzger (LGP), Matthias Klinger (UniCredit Bank Austria), Piroska Vargha (LGP)

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